Biß vom 31. Dezember 2009
Was auch immer geschieht:
Nie dürft ihr so tief sinken
von dem Kakao, durch den man euch zieht,
auch noch zu trinken!
Erich Kästner, Schriftsteller, 1899 - 1974
"Wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing!" ist der Leitspruch der Gutmenschen, die politisch korrekt publizieren. Erich Kästner war keiner von diesen, denn er ist erhaben über den Verdacht, ein Altnazi zu sein, wurde er doch aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen und seine Bücher öffentlich verbrannt.
Es braucht schon einen mehr oder weniger ausgeruhten Geist, um kreative Genialität zu entfalten, die den eigenen Tod überdauert. Würde ich zehneinhalb Stunden täglich stehend und laufend in einer lärmenden staubenden Fabrikhalle um ein Fließband tanzen, so wäre ich am Abend so platt, daß ich ohne innere Widerstände politisch korrekte Gedanken pflegen, Sätze schreiben und Worte sprechen würde. Wie ein Gehirnamputierter würde ich grinsen und schweigen. Der Fluch ist: Ich weiß, wie es in einer Fabrik zugeht. Und es hat mich erzürnt, von dem Geist dort ergriffen und niedergezwungen zu werden, so daß mir das freie Entscheiden und das schöpferische Denken abhandenzukommen drohte.
War Günther Grass noch politisch korrekt, als er in seinem Roman "Im Krebsgang" im Jahre 2002 deutsche Menschen als Opfer beschrieb? Ziemlich unerhört, oder? Argumentierte Henryk M. Broder in Jahre 2006 politisch korrekt, wenn er Günther GraSS kritisiert? Wer blickt da noch durch, wenn das in Talk-Shows so beliebte Hauen und Stechen, wegen des Unterhaltungswertes redaktionell angeheizt, auch im Internet intensiv gepflegt wird?
Nein, nein, nein - das ist alles politisch inkorrekt! Politisch korrekt sind die Deutschen, die bis heute auch als Söhne, Enkel und Urenkel schwer an der Bürde tragen, Kriegsverbrecher und Kriminelle zu sein. Basta! Wer das anders sieht, ist ein Neonazi und gehirngewaschen, "brain washed" wie die Gutmenschen auf der grünen Insel wohl wissen. Die Besatzungsmacht der Briten kennt keine dunklen Seiten in ihren Geschichtsbüchern. Warum auch? Sie führte einen guten Krieg, einen "good war", gegen den bösen Schauspieler Adolf Hitler und all die Schurken, die um ihn waren. Gutes wird unterschlagen, Schlechtes wird hinzuerfunden.
Schauspieler leben international in ihren Rollen die Abgründe ihres menschlichen Wesens aus. Sie zeigen Gefühle - in Hollywood dürfen sie das. Aber in Deutschland ist solcherlei verpönt. Hier gibt es das Regietheater und die Persönlichkeit der Filmschauspieler muß sich der Diktatur der Regisseure unterordnen. Das ist politisch korrekt. Es wimmelt unter uns Gutmenschen nur so von Betroffenheitsfanatikern und Bedenkenträgern, die schwer gebeugt und schuldbewußt durchs Leben schleichen.
Jeden Europäer, den sie auf der Straße treffen, quatschen sie in vorauseilendem Gehorsam schräg an: "Willste ma nen Euro?" Und wie sie alle wollen! Unsere europäischen Nachbarn in der Europäischen Union haben immer eine offene Hand dabei für einen guten Deutschen, der seine Euronen und seine Würde unters Volk streut ohne eine Gegenleistung zu erwarten und zu erhalten.
Unseren europäischen Nachbarn geht es sehr gut mit unserer politisch korrekten Mentalität und sie brauchen die andere vorgehaltene Hand, um über so viel Blödheit über so viele Jahre hinweg zu lachen. Ja, hinter vorgehaltener Hand lachen sie über uns, weil wir politisch so verdammt korrekt sind! Deswegen brauchen wir weder einen Friedensvertrag noch eine Verfassung. Es genügt uns, politisch korrekt zu denken und zu handeln.
Für was gibt es den Artikel 146 im Grundgesetz? Etwa, damit das Volk im Jahr 1990 darüber abstimmt, ob es eine Verfassung haben will oder nicht? Das war ja noch nie da! Artikel 146 lautet: "Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist."
Hans Kolpak
Biß der Woche
Labels: Grundgesetz, Politik, politisch korrekt, Publizieren, Verfassung



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