Biß vom 29. November 2009
Demokraten halten letztlich diktatorische Vorgehensweisen dann für gerechtfertigt,
wenn sie zur Demokratie führen,
Diktatoren akzeptieren demokratische Entscheidungen in vollem Umfang,
wenn sie Diktatur ermöglichen.
Gregor Brand, 1957, Schriftsteller und Philosoph
Am Ende der Gewalt: "Von den Germanen bis zu den Gemeinen" könnte ich die Geschichte beschreiben, die zu Deutschland führte. Das wäre treffender als die Überschrift "Von den Germanen bis zur Gegenwart". Warum bewegt mich Resignation, wenn ich an Gewalt denke? Gewalt gleicht Krankheit: Es stört immer das, was einen Menschen gerade betrifft.
Die Gewalt von Wikipedia-Autoren, die Gregor Brand nicht als relevant ansehen und die Löschkeule niedersausen lassen oder die Gewalt von deutschen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan, die nicht mehr zustandebringen, als Bundesminister Franz Josef Jung am 27. November 2009 zum Rücktritt zu bringen, der kein Bundesverteidigungsminister mehr war, sondern Bundesarbeitsminister. Unsere zivilisierte Welt bietet vielerlei Absurditäten an.
Was wird überhaupt gelernt, wenn überall auf diesem Planeten Gewalt durch Worte und durch Taten ausgeübt wird? Ich habe zum Beispiel Gewalt durch Worte in meiner ersten Ehe erlebt. Ich wollte nicht über meine Ehefrau dominieren. Ob ich jemals ein zweites Mal heiraten werde, sei dahingestellt, doch scheint das Bedürfnis nach Gewalt kein Einzelfall zu sein. Vielleicht wird sogar das Bedürfnis nach Liebe gewaltsam eingefordert und es entsteht Verzweiflung, wenn der Zwang nicht fruchtet.
Doch in der Politik werde ich Erpresser gescholten, nach dessen Pfeife andere tanzen sollten. Aber ich wurde ja schon zurechtgewiesen, als ich mich weigerte, für ein politisches Mandat zu kandidieren. Da gibt es wohl eine Menge an Projektionen und Emotionen, die sich dem Verstand entziehen. Es ist gefährlich, von sich auf andere zu schließen. Es trifft regelmäßig die Falschen. Auch das ist Gewalt: Diktatur in Parteien.
Jedenfalls macht mich betroffen, was die deutsche Geschichte an Gewalt bereithält von den raubenden und mordenden Horden des Mittelalters bis zu den Polizisten und Soldaten, die von ihren Vorgesetzten systematisch ihrer Würde beraubt, ihre Agressionen an ihren Mitbürgern auslassen. "Wehret den Anfängen!" ist ein Sprichwort geworden, doch wir haben bereits alle Zutaten für einen Bürgerkrieg zusammen, der von unseren politischen Eliten billigend in Kauf genommen wird, wenn er ausbricht. Wir haben keinen Grund, uns über Hexen und Ketzer lustig zu machen, heute wird denunziert, intrigiert und gemobbt, daß die Schwarte kracht.
Ein Windstoß wie im Sommer 2008 genügt, um weitere Kartenhäuser der Überschuldung zusammenbrechen zu lassen. Sogar unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel spürt, daß einiges im Schwange ist, was sie nicht wirklich steuern kann. Statt den Rotstift schrittweise bei den Subventionen anzusetzen und in gleicher Höhe die Steuerzahler zu entlasten, wird die Staatsquote im Namen des Umweltschutzes immer weiter erhöht, ohne die Augen für die Folgen des Klimaschwindels zu öffnen, die sich wie Gangrän durch unsere Gesellschaft fressen.
Ich resigniere, weil ich es für wahrscheinlicher halte, durch meine Idee für eine Steuerreform mit einer einfachen Steuer und einem Steuermodell, das eine Staatsquote von vielleicht 10 Prozent nach 20 bis 30 Jahren zum Ziele hat, einen Bürgerkrieg auszulösen, statt die Völker Europas zu Frieden und Wohlfahrt zu führen. Die Menschen verhalten sich so unkalkulierbar absurd, daß die Folgen von Änderungen nicht absehbar sind.
Etwas vermeintlich Böses kann Gutes gebären, und etwas vermeintlich Gutes bringt uns in Teufels Küche - wo wir nämlich bereits sind. Und es ist verdammt neblig hier, nicht durch die Nebelkerzenwerfer, sondern weil die Heizung bereits ausgefallen ist und der Deckel vom großen Kochtopf zur Herstellung von Waffen eingeschmolzen worden ist. Es dampft und dampft und dampft ...
Hans Kolpak
Biß der Woche
Labels: Gewalt, Resignation, Waffengewalt, Wortgewalt



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