Biß vom 7. April 2007

Die grausamsten Auseinandersetzungen
gibt es über die Dinge,
die sich nicht beweisen lassen.
Verfolgung praktiziert man
in der Theologie,
nicht in der Mathematik.

Bertrand Russell
britischer Mathematiker, Philosoph und Schriftsteller


Zitat: "Russell war als Agnostiker, Pazifist und Friedensaktivist bekannt. Mit diesen Hintergründen vertrat er auch anarchistische Ideale (vgl. auch Anarchopazifismus). 1918 verbüßte er aufgrund seines öffentlichen Eintretens für den Pazifismus (Aufforderung zur Kriegsdienstverweigerung) eine 18-wöchige Haftstrafe, wegen der er schließlich seine Anstellung am Trinity College verlor.
...
1962 griff er durch Telegramme an Kennedy, Chruschtschow, den UN-Generalsekretär U Thant und den britischen Premier MacMillan in die Kuba-Krise ein, in der die Welt am Rand eines Atomkrieges stand. Chruschtschow schrieb Russell einen langen Antwortbrief, der durch die Nachrichtenagentur TASS veröffentlicht wurde und eigentlich an Kennedy und die westliche Welt gerichtet war. Er lenkte ein, wodurch ein Atomkrieg abgewendet wurde." Zitatende

Von 1967 bis 2000 war ich mit christlichen Gemeinden verbunden und engagierte mich umfassend als Christ. Im Laufe der letzten sieben Jahre habe ich mich weitestgehend von meiner Bindung an diese nutzlosen Beschäftigungstherapien gelöst. Da weder der Vater noch der Sohn einen Job für mich haben und nicht kommunizieren, bedarf es auch keiner Gebete, um mein Leben zu gestalten.

Auf diesem Hintergrund sah ich in 2006 den Film "Die Passion Christi". Er widerte mich genauso an wie der Film "Luther", den ich ebenfalls in 2006 sah.

Was ist Ursache, was ist Wirkung? Kriegstreiber haben offensichtlich einen Kriegsgott geschaffen, der seine Geschichte mit Blut schreibt. Christen laufen Kriegstreibern hinterher, während sie heuchlerisch Lieder des Friedens singen. Die Erlösung von Schuld, Sühne und Sünde bleibt aus. Das Blut fließt noch immer in der Christenheit, im Islam und im Judentum. Überall lassen sich geduldige Schafe zur Schlachtbank führen. Sie sind verführt und frei von gesundem Menschenverstand. Das theologische Geschwafel aller abrahamischen Religionen kann Kritik an Religionen nicht entkräften.

Schuld, Sühne und Sünde: Diese Begriffe haben Menschlichkeit verstümmelt. Das Leiden der Kulturen, die aus Abraham hervorgingen, überschattet die Sehnsucht nach einem von Liebe, Weisheit und Einsicht gestalteten Leben.

Es gibt eine Fülle an Literatur von Menschen, die auf einem höheren Niveau leben und lieben als Juden, Christen und Moslems.

US-amerikanische Filme erkenne ich an fehlender Kommunikation in den Dialogen. Erst schießen oder schlagen, dann fragen. Die meisten Geschichten und Handlungsabläufe beruhen darauf.

Dies ist ein Extrem und Erleuchtete, die in sich ruhen, sind am anderen Ende der Skala.

Ich wünsche mir Menschen, die etwas zur Kenntnis nehmen und wirken lassen. Menschliches Miteinander hat eine kulturelle Qualität und ist keine Überlebensstrategie. Es geht nicht darum, wie ich beim Gehen das Gleichgewicht halte oder beim Autofahren meinen Sinneseindrücken Prioritäten verleihe, um entscheidungsfähig zu sein.

Beschaulichkeit bedeutet keine fehlende Entscheidungskraft. Es sind zwei Qualitäten, die sich ergänzen. Jesus wird oft als Beispiel für situationsgerechtes Verhalten genannt.

Aus dieser Perspektive bereichern wir uns alle. Dafür gibt es schließlich unterschiedliche Interessensgebiete. Niemand steht unter Druck, etwas zu schreiben oder andere zu missionieren. Wer freiwillig missioniert, ist mit sich selbst gestraft genug. Das macht unzufrieden, weil die meisten gar nicht bekehrt werden wollen. Wozu auch?

Hans Kolpak
Biß der Woche

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