Biß vom 6.9.2006
Für das Können
gibt es nur einen Beweis:
Das Tun.
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach
österreichische Schriftstellerin
Ihr ganzes Leben lang kämpfte sie gegen die „normalen“ Gedanken ihrer Zeit und setzte sich für eine aktive Frau ein. Sie schrieb nicht etwa, um den Familienunterhalt zu finanzieren, sondern vielmehr mit der Inspiration und Überzeugung, ihre Schriften könnten die Gedanken ihrer Zeit verändern.
Ab 1890 fand Marie von Ebner-Eschenbach mit ihren dialogischen Novellen ihren dramatischen Schreibstil.
Ihr kurzer und knackiger Spruch erinnert mich an den geringfügigen Unterschied zwischen Maulhelden und Machern. Das Tun entscheidet über den Fortgang einer Sache und keineswegs die Lautstärke. Eine Ausnahme allerdings gestehe ich ein: Es sind die Zeitgenossen mit Sendungsbewußtsein, die mich mit ihrem missionarischer Eifer regelmäßig von der Bildfläche vertreiben.
Ich halte es einfach nicht mehr aus, zumal ich in den langen Jahren meiner Religionszugehörigkeit niemals über Menschen dominierte. Ich zog mich stets zurück, wenn ich lästig war und fand Raum für einen lockeren und konsensfähigen Abgang. Jedenfalls haben mich diese Situation geprägt und sensibilisiert.
Maulhelden sind überflüssig. Wie gut, wenn die Sonne scheint und Flüssigkeiten zum Verdunsten bringt. So regele ich mein Verhalten gegenüber Maulhelden. Ich lasse sie links liegen und schaue zu, wie sie verdunsten. Erst ein Temperatursturz führt zu Wolkenbildung und vernebelt die klare Sicht.
Doch so ein Wolkenbruch ab und zu hat auch sein Gutes. Das Wasser fließt ins Meer und wird gezalzen, mit Plankton und allerlei Getier angereichert. So ist auch jeder Maulheld zu etwas gut, auch wenn es nur ein abschreckendes Beispiel ist.
Hans Kolpak
Biß der Woche



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